Foto: Martina Benz

Auf dem Tisch oder auf den Knien: Anmerkungen zu Positionsbestimmungen und -verschiebungen in der Mitmachstadt

am 02. August 2016 | in Mitmachstadt, Perspektive Umbruch | von | mit 0 Kommentaren

Zum Zeitpunkt meines Workshops hatte die Stadt schon eine umfangreiche Struktur, bestehend aus Tieren, Menschen und Gebäuden in unterschiedlichen Verhältnissen und unterschiedlichen Proportionen angenommen.

Da die Teilnehmer schon ein paar Tage gedanklich und gestalterisch produktiv mit der Stadt beschäftigt waren, hatten alle konkrete Pläne, was sie gerne als nächstes tun würden. Meine ursprüngliche Idee war, Wahrnehmungen von Räumen als einzelne Skulpturen zu modellieren und dann zu einem gemeinsamen Ganzen zusammenzustellen. Die Offenheit des Projektes und die Möglichkeit, selbst zu entscheiden, was nötig ist, war für die Teilnehmer schon selbstverständlich geworden und es erschien mir in dieser Situation unangemessen das Diktat eines neuen Themas durchzusetzen. So wurde meine Position als anleitende Künstlerin zu der einer Mitmacherin.

Foto: Martina Benz

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Es hatten sich zwei verschiedene Vorgehensweisen entwickelt: das Modellieren im Sitzen am Tisch und das Modellieren auf den Knien in der Stadt. Zweites scheint anzuregen, sich um die geologischen Bedingungen der Stadt zu bemühen: Wasser, Berge, Vegetation. Hier ist der Abstraktionsgehalt höher als bei der Herstellung der Gebäude, die mit den ihnen zugeordneten Funktionen verständlicherweise zum Erzählerischen neigen.

Modellieren am Tisch bedeutete die Herstellung einer Einzelidee, die dann an gewählter Stelle im Stadtbild platziert wird, mit dem Vorzug sich zunächst erstmal allein auf eine Idee einzulassen, um erst später in Gemeinschaft den Standort zu bestimmen.

Das direkte Modellieren auf dem Boden führte zu einer Art Sandkistensituation und erforderte territoriale Absprachen mit dem Nachbarn im Vorfeld und möglicher Weise zu Gemeinsamkeiten gleich zu Beginn der Umsetzung. Da sich gerade ein neuer Stadtbezirk gegründet hatte, schien es eine Idee zu sein, diese altes und neues Gebiet miteinander zu verbinden.

Foto: Martina Benz

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Eine Allee war unserer Meinung nach die schönste verbindende Straße, die vom Land in die Stadt führt. Gleichzeitig konnten wir durch kleiner werdende Bäume und eine schmaler werdende Straße die unterschiedlichen Größenverhältnisse miteinander verknüpfen.

Insgesamt konnte ich beobachten, dass die Teilnehmer mit hoher Identifikation an einem gemeinsamen guten Ergebnis interessiert waren. Das Thema lässt sehr viel Raum für persönliche Fragen und fördert eine große Wertschätzung gegenüber der Arbeit des anderen. Außerdem regt es Gespräche an, weil es nahe am Leben und der Lebenswahrnehmung orientiert ist und gleichzeitig fantasievoll. Wichtig erscheint mir auch der offene Blick und das kritische Reflektieren der Künstler im Sinne einer Qualitätssicherung.

Letztlich möchte ich Ruth noch einmal danken, dass sie mich, obwohl Wochenende, begleitet hat. Und auch für die Teilnehmer stellt ihre stabile, konstante Anwesenheit eine vertrauensbildende Instanz dar.

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