Foto: Fiona Kubat

Vom Mitmachen, einer Klinik und auch von Hasen

am 16. August 2016 | in Mitmachstadt, Perspektive Umbruch | von | mit 0 Kommentaren

Das Haus 5, die alte Forensik. Groß und alt und voller gelebter Substanz steht er da, dieser Hausriese. Dieses, Gitter einmal weggedacht, eigentlich ganz schöne Gebäude. Aber sie sind ja nun mal da, diese Gitter. Mit Ehrfurcht durchschreite ich die weißen Gänge, trage Ton-Utensilien, Arbeitsbrettchen, Wasserflaschen, an besonders schönen Tagen sogar Kekse und Wassermelonenscheiben heraus. Alle Mitmachstadt-Accessoires gelagert. Wo? Natürlich in einer alten Zelle, der 1-Personen-Zelle, Bärenzwinger. Hardcore. Aber das beschäftigt heute nicht, oder irgendwie schon, aber eigentlich geht es hier um die Gegenwart. Jetzt. Hinaus! Wohin? In unsere Realität. In unsere Mitmachstadt.

Unsere Stadt!

Wer wohl heute kommt?

Mitmacht?

Foto: Ruth Gilberger

Foto: Ruth Gilberger

Die Stadt wächst. Von einigen Häuschen zu Schwimmbädern und wilden Gewässern bis hin zum Stadtwald, zu dem uns eine große Allee führt. Den König von Düren gibt es auch schon! Er wacht nicht nur physisch über uns, der alte Mentor. Und während mir der kalte Tonklumpen noch allzu schwer in der Hand liegt und ich froh bin, wenn ab und zu mal ein Baum oder ein Chamäleon aus meiner Hand springt und sich in der Stadt platziert…, formen die Patienten, Dürener – ganz egal wer nun wer ist – die spektakulärsten Wassertürme, Berge, Stiere und Brücken. Und Aquädukte! Wenn auch der ein oder andere Klumpen kurz aussieht wie ein riesiger Phallus, herzlich schnell wird daraus ein ebenso riesiges Kaninchen. „Nee, ich bin nicht so künstlerisch… na gut, ich probier‘ es mal“ – und schwupps, steht da ein neues Schiff auf unserem Fluss. Dafür muss man nichts können! Oder doch einiges?!

Das Haus5 sieht immer anders aus. Unsere Kulisse wirkt bei Wolken und Gewitterstimmung irgendwie gruselig, kalt und bedrohlich. Egal, dann vertiefen wir uns umso mehr ins Alleenbauen. Bei Sonnenschein hingegen kann man auch einfach mal eine halbe Stunde mit nackten Füßen durchs Gras schreiten und die Stadt betrachten: Ganz schön viel schon da, ganz schön großartig!

Foto: Ruth Gilberger

Foto: Ruth Gilberger

Mein persönliches Highlight darf an dieser Stelle nicht fehlen. Zwei entzückende Zwergwidderkaninchen, die uns an einem sonnigen Wochenende besuchten und für die es ein Refugium zu gestalten galt. Den ein oder anderen inspirierten sie zudem zu wilden Hasenfiguren und noch wilderen Streichelattacken (ob ich hier wohl mich meine?) und so nahm ich die beiden mit nach Hause und dort durften sie auch mal hinter mein Sofa laufen, sodass ich kurzzeitig einen Herzstillstand bekam. Doch mein tagelanges, tiefenentspannendes Tonform-Yogatraining (so manchen konnte ich durch meinen Körpereinsatz beim Tonformen begeistern) holte mich gleich zurück in eine weltseelenverbundene Om-Stimmung und so brachte ich die beiden Karnickel am nächsten Tag auch wieder mit nach Düren. Einige Möhren (echte und aus Ton) später waren meine Tage als Mitmachstadt-Begleiterin leider schon vorbei.

Ich werde es vermissen und kann nur jedem raten, mal vorbeizuschauen in dieser kleinen, riesigen Tonwelt. Die auch irgendwie viel mehr ist als Ton.

Ich bin weg, aber die Stadt wächst und wächst.

Foto: Ruth Gilberger

Foto: Ruth Gilberger

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