"Vogel in Sonne auf Heizung" // Fotografie auf Leinwand, 2021. Foto: Ines Lamberty. Ausschnitt: Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft.

Von Vögeln und Resonanzen: Adventliches von Ruth Gilberger

am 13. Dezember 2021 | in Allgemein | von | mit 3 Kommentaren

„[…] Und manchmal kommt es zu Resonanzen, mit denen nicht zu rechnen ist. Genau um diese Unwägbarkeiten geht es immer wieder in unserer Stiftungsarbeit“, schreibt Vorständin Ruth Gilberger in ihrer adventlichen Geschichte. Das zeigt die Geschichte um eine kleine Vogel-Skulptur, die ihren Weg vom Ausstellungsraum in Rheydt über die neuen Stiftungsbüros in Bonn bis hin auf die Leinwand fand. Sie macht deutlich, wie Teilhabe und Teilgabe auch aussehen können.

 

Durch die Hände von U. entsteht im Workshop von Ruth Gilberger während der „Rheydter Resonanzen“ die Skulptur eines kleinen Vogels. Foto: Theresa Herzog.

Resonanzen sind Widerklänge: Töne und Schwingungen, die ankommen, durchklingen, zurückkommen. Es ist das Urbild der Kommunikation und ein Grundprinzip von Menschen in Beziehung, auch über das Hörbare hinaus. Resonanzen sind dabei nicht einfach nur da. Wir können sie selbst auslösen, verändern, weiterleiten, etwas Neues entstehen lassen. Und manchmal kommt es zu Resonanzen, mit denen nicht zu rechnen ist.

Genau um diese Unwägbarkeiten geht es immer wieder in unserer Stiftungsarbeit – präsent sein, sich einlassen, abwarten und sich überraschen lassen. Von all dem, was spontan, peripher, luftig und wie selbstverständlich geschieht und was unsere Arbeit um eine wesentliche Qualität ergänzt und bereichert – die Unvorhersehbarkeit.

Ähnlichkeiten zu Kunst und zum Leben sind dabei offensichtlich: In unserem Projekt „Rheydter Resonanzen“ ergab sich im Herbst letzten Jahres eine Situation in der Experimentierwerkstatt, in der skulptural mit Papier gearbeitet wurde. Es entstand eine kleine silberfarbene Vogelform, die meinerseits als plastisch bemerkenswert befunden wurde, bei der Produzentin aber nicht die gleiche Akzeptanz fand. Auf der Abschlussausstellung fand die kleine Skulptur in einer Ecke des zum Ausstellungsraum umfunktionierten Ladenlokals einen bescheidenen Ort. Nach Ende des Projektes zog sie um in das Haus ihrer Herstellerin und ich versicherte, dass ich „bei Nichtgefallen“ in der Stiftung für sie einen passenden Platz finden würde.

Gegen Weihnachten erreichte mich dann ein Paket und anschließend eine SMS mit der kurzen Frage: „…Gib mir doch bitte Bescheid, ob „mein“ Vogel bei Dir gelandet Ist. Das war ein großer unhandlicher Karton mit Fliegengewicht, abgeschickt vor oder zu Beginn der Adventszeit.“ Darauf antwortete ich, dass er ein gutes Zuhause gefunden habe und wünschte ein gutes neues Jahr.

 

Die kleine Vogel-Skulptur zwischen Relikten vorangegangener Stiftungsprojekte im Büro in der Adenauerallee, Bonn. Foto: Ruth Gilberger.

Im neuen Jahr musste die Skulptur mit der Stiftung umziehen und fand einen Platz, der farblich passend und dennoch befremdlich diskret auf die ehemaligen Räumlichkeiten als Souterrain und Werkstattbereich hinwies. Während des Sommers und in der ausgiebigen Umbauphase harrte er nicht nur auf der Heizschaltzentrale klaglos und unbeschadet aus, sondern führte anscheinend ein Eigenleben, von dem wir nichts ahnen konnten und auch nichts wussten.

 

Der kleine Vogel in seinem neuen Habitat nach dem Umzug der Stiftungsräumlichkeiten. Foto: Ruth Gilberger.

Als wir im September von den „Greifswalder Resonanzen“ zurückkamen und die neuen Räumlichkeiten bezugsfertig waren, zeigte uns eine am Umbau beteiligte Handwerkerin auf ihrem Handy ein Foto, das sie mit uns teilen wollte. Es entsteht an einem Tag, an dem sie einige der Wände in unseren Büros verputzt hatte. Auf diesem wurden über die skulpturale Qualität und den temporären Ort hinaus vor allem die magischen Qualitäten der Vogelskulptur durch ihr fotografisches Auge sichtbar. 

 

Ines Lamberty und ihre Sichtung des kleinen Vogels. Foto: Frank Rathmann.

Ich erzählte dann auch von der Produzentin dieser Skulptur, dem Projekt in Rheydt und unserer Arbeit – vergaß dann den Anlass und das Foto im Eifer des Alltags.

Vor zwei Wochen dann fand ich in unserem neuen Werkstattbüro morgens einfach ein Päckchen: Darin fand sich zweifach das Foto auf Leinwand. Auf mein Nachfragen und Nachtelefonieren erhielt ich die Antwort: Ein Bild für unser Büro, ein Bild für die Erschafferin der kleinen Skulptur. Die Macherin des Fotos hatte sie uns geschickt, einfach so. 

 

Kommentarlos lagen sie einfach da: Eine kleine und eine große Leinwand – eine für die Urheberin des Vogels und eine für uns. Einfach so. Foto: Ruth Gilberger.

Danke für die Resonanzen!

 

 

 

3 Antworten zu Von Vögeln und Resonanzen: Adventliches von Ruth Gilberger

  1. Christine Radschinski sagt:

    Wunderbar! Ich liebe Kaustiken, vom Objekt abhängige mit dem Lichteinfall sich ständig verändernde Bilder. Danke für’s Teilen liebe Ines Lamberty und Ruth Gilberger.
    Das erhellt nicht nur diesen Abend.
    Christine Radschinski

    • Ruth Gilberger sagt:

      Dankeschön- gebe das gerne weiter an die Fotografin und an die Erschafferin des Vogels – wir haben ihr das Bild übergeben und sie hat sich auch gefreut!

  2. Armin Stroß-Radschinski sagt:

    Brilliante Entdeckung in Wirkung und Wahrnehmung … Kaustiken aus Relektion und Durchlicht finden oder Schaffen ist eine schöne Leidenschaft. Vögel aus Alupapier von Süssigkeiten kneten hat mir in meiner Jugend ein kreativer Kopf gezeigt. Es juckt uns heute noch immer bei dem ganzen Flitter in den Fingern und ich sammle Schokokuss-Karton-Innenseiten für ganz harte Kreativanfälle. Neben der Perspektive ist das (besondere) Licht das kommt und geht der Schlüssel zur visuellen Wahrnehmung. Ein besonderes Highlight dieses Winters. Danke!

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