LANDSCHAFFEN LVR-Klinikpark Mönchengladbach-Rheydt Dokumentation Projekt Marie Heiderich, Foto: Eike Walkenhorst

LANDSCHAFFEN – Erste Eindrücke nach Projekthalbzeit in Wort und Bild

am 17. September 2018 | in Allgemein, Landschaffen | von UND | mit 0 Kommentaren

LANDSCHAFFEN vom 15.8.-05.10.2018 im Klinikpark der LVR Klinik Mönchengladbach

Erste Eindrücke nach Projekthalbzeit in Wort und Bild

Von Ruth Gilberger/Stefanie Klingemann

Aus sieben Tonnen Ton gemeinsam Landschaft gestalten – so lautet der Untertitel des Projektes. Der LVR-Klinikpark in Mönchengladbach-Rheydt bietet die besten Voraussetzungen für den in den bisherigen fünf Wochen entwickelten Freiraum der Begegnung und Kommunikation. In dem Freiraum konnten sich in den vergangenen Wochen das gemeinsame Erleben, der Austausch, das Miteinander und das singuläre Arbeiten und Fortentwickeln von Ideen in Form und Gestalt manifestieren und sichtbar werden.

Fünf Tonnen Ton sind verbraucht und wir freuen uns über die Materialstudien, das Ausprobieren, die fertigen Objekte, die bereitwillig in den Park integriert werden und auch für spezifische Orte und Plätze an und um Bäume herum modelliert wurden. Als Faktoren für dieses Gelingen seien bis hierhin ausgemacht:

Der Ort

Der Klinik-Park der LVR-Klinik ist ein öffentlicher Ort, der in der Mitte einen alten Pavillon als Kommunikations- und Rückzugsort beherbergt und der vornehmlich von Patienten und Besucherinnen der Klinik genutzt scheint – und nun sich durch das Projekt (und das wunderbare) Wetter weiter zu öffnen scheint und einlädt, mit offenen Augen hier und dort anzuhalten und zu schauen, was sich verändert hat

Einem Skulpturenpark gleich findet man offensichtlich oder versteckt große und kleine Tonobjekte, die ungebrannt den Ort besiedeln und mit Leben füllen: eine Stadtähnliche Landschaft, ein Tierpark, eine kleine Geisteransiedlung, ein lebensgroßer Körperabdruck vor einem Baum von einer göttergleichen kleinen Tonfrau „bewacht“, eine Schlange im Baum (oder deren Reste), ein windschiefes Tipi, mit Tonschindeln bedeckt, darüber im Baum ein kleines, mit Moos ausgekleidetes Nest, eine Kopfgalerie auf den Pfosten für die Feuerwehr, zwei Tonobjekte hoch oben im Baum, ein „Wutklumpen“ aus Tonklumpen, eine personalisierte Rakete…………….und noch viel mehr. Alle diese kleinen und großen Objekte haben eins gemeinsam:

Detail, LVR-Klinikpark
Foto: Eike Walkenhorst

 

Das Material

Die Objekte sind aus dem gleichen Material und handgemacht vor Ort. Sie sind meistens figürlich, d. h. sie verweisen auf Objekte, Menschen und Architekturen oder sie bilden sie nach und ab. Viele schaffen dabei kein Abbild, sondern ein Bild – das bedeutet sie verbinden Außen und Innen, Realität und Imaginäres, das Selbst mit der Welt.

Dabei spielt das Material Ton eine besondere Rolle – als ältestes plastisches Material der Welt ist es ein idealer Ausgangspunkt für plastische Gestaltung: sinnlich-haptisch, leicht und fast beliebig formbar ist er fast allen Menschen jeden Alters unmittelbar zugängig: Ton ist dabei entweder das Ausgangsmaterial für einen Formprozess, bei dem der Ton die Negativform bildet, die dann mit anderen Materialien wie Gips oder Zement ausgeformt wurde, oder Ton ist das Material der Objekte selber.

Diese haben zwei Farben (weißlich und gelblich), was an den Beimengungen im Ton liegt, sie sind in Einzel- oder Gruppenarbeit hergestellt, sie sind beiläufig, zufällig oder streng konzeptionell entstanden oder eben im Spiel und im Herantasten an die Form. Manche fanden auch ihren Ursprung in einer ganz anderen Idee oder Vorstellung und haben ihre letztendliche Form im Prozess des Gestaltens gefunden. Interessanterweise gab es kaum Objekte, die nach der Herstellung wieder zerstört wurden. Sie sind alle nicht gebrannt (weil dies bei der Fülle der Objekte nicht zu leisten ist bzw. ein Projekt für sich wäre), damit fragil und endlich – wie die Menschen, die sie hergestellt haben.

 

LANDSCHAFFEN
Detail, Beitrag Frank Bölter
2018
Fotto: R.Gilberger

LANDSCHAFFEN
Detail, Beitrag Marie Heiderich
2018
Fotto: R.Gilberger

LANDSCHAFFEN
Detail, freier Beitrag von Teilnehmenden
2018
Fotto: R.Gilberger

Die Menschen

Hergestellt wurden fast alle Arbeiten von erwachsenen Menschen, die den öffentlichen Raum des Parks des LVR-Klinik mit Leben füllen und ihr Erleben miteinander teilen. Manche Teilnehmer erzählen auch von ihren Lebensgeschichten, die u.a. von leidvollen Erfahrungen, Krankheit und Verlust geprägt sind.

Viele sind (ehemalige) Patienten der Klinik, Besucher und Besucherinnen aus den anliegenden Tageskliniken oder anderen Reha-Einrichtungen in Mönchengladbach und Umgebung, aber auch Interessierte aus der Nachbarschaft oder Menschen, die die Informationen aus den (sozialen) Medien erhalten haben, sowie zufällig Vorbeikommende, „Eintagsbesucher“ und „Dauergäste“. Die dauerhaft teilnehmenden Gäste, die seit Beginn beinahe jeden Tag dabei sind, tragen das Gruppengefühl und die Atmosphäre vor Ort mit und helfen – anderen Gästen und dem Team der Stiftung. Die Künstlerinnen und Künstler, die Mitarbeiterinnen der Stiftung, die selbst aus der Kunst kommen und ehemalige Studierende der Kunst und Pädagogik, die das Projekt schon zum zweiten Mal begleiten – wir alle sind beeindruckt und gerührt von der Atmosphäre und Stimmung beim gemeinsamen Gestalten.

Last but not least gibt es noch die Menschen aus dem Betrieb der LVR-Klinik, namentlich die gesamte Ergotherapie, die während der gesamten Projektdauer ihre Angebote integrativ in den Park verlegt haben und mit ihrer kollegialen Anwesenheit für Kontinuität, Hilfe und als Ansprechpartner vor Ort für alle fungieren – und die auch im Machen über sich hinauswachsen. Die Künstlerinnen und Künstler, die bislang anwesend waren, haben wichtige und behutsame künstlerische Impulse gesetzt, die von den Gästen und Teilnehmenden als Impulse „auf Augenhöhe“ wahrgenommen und geschätzt wurden. Diese wechselseitige positive und menschliche Resonanz wirkt bei allen nach, auch bei den Studierenden die das Projekt länger oder während des Summercamps begleiten durften. Es ergaben und ergeben sich Begegnungen im Gestalten, die berühren und beeindrucken. Und die ersten Studierenden des Summercamps kommen schon aus freien Stücken wieder, um vor Ort weiterzuarbeiten und manch ein Gast nimmt lange Wege in Kauf, um sich mit seiner Expertise verantwortlich für die Sache und das Projekt einzubringen.

 

LANDSCHAFFEN
Detail, 2018
Foto: Eike Walkenhorst

LANDSCHAFFEN
Detail, 2018
Foto: Eike Walkenhorst

Die Kommunikation

Menschen, Ort, Material und Zeit (und fünf Wochen verlieren sämtliche Reminiszenzen an ein Event) sind also Faktoren, die dieses Projekt mittragen und in einen Prozess eingewoben sind, den alle Beteiligten gemeinsam gestalten und der in seiner Eigenart und Einzigartigkeit einen Freiraum eröffnet, der eine gelingende, wertschätzende, häufig heitere und manchmal auch sehr persönliche Kommunikation ermöglicht – sowohl mit den anderen als auch mit sich selbst

Dieser Freiraum, seinen eigenen Ort zu finden, sich seine Zeit zu nehmen und für sich oder mit anderen etwas zu gestalten, kann Möglichkeitsräume formen und Potenziale entwickeln, die vielleicht (noch) gar nicht zu kommunizieren sind.

Wir sind alle sehr gespannt, wie sich das Projekt weiterentwickelt: dafür brauchen wir auch Sie: Kommen Sie und machen Sie mit – wir freuen uns auf Ihren Besuch!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

« »