Sprechstunde: Was kostet das Leben?

am 12. Mai 2015 | in faktor kunst 2013, Public Residence: Die Chance | von | mit 0 Kommentaren

Auf der Straße treffe ich die Hundefrau mit ihren vier chinesischen Palasthunden. Sie hat Kuchenformen im Sperrmüll gefunden und will diese in wieder gebrauchsfähigen Zustand bringen. Die vier Palastwachen keuchen und keifen. Sie meldet ihr Programm an: Sie habe ein Comedy-Programm und möchte dies aufführen, gibt mir eine kleine Kostprobe. Ich bin tief unentschlossen.

15. März 2015

Heute reden wir über Geld. Es ist heimelig im „103“. Wieder neue Gesichter. Die Musikstücke, die als Vorspiel zu hören sind, sind kaum zu hören und niemandem fällt auf, dass es sich hier um Stücke zum Thema Geld handelt. Nun denn, das scheint eine Extrastunde zu benötigen: „Wir hören Musik und forschen in uns, was sie macht.“

Der Autor verliest seinen Artikel mit dem Titel „Guten Tag, ich bin Schauspieler“ zur sozialen und finanziellen Lage von Tänzern und Schauspielern. Aktuell findet sich auf Facebook ein wunderbares Beispiel, in dem eine Stadtverwaltung Schauspielern einen zweistündigen Job für 50 € anbietet – Kostüme bitte selbst mitbringen:

„Am Samstag, 23.05.2015, wird […] eine S-Bahn getauft. Im Rahmen dieser Taufe planen wir ein Event, das sowohl auf dem Ahlener Platz als auch auf dem S-Bahn-Steig stattfinden soll (ca. 11 – 13 Uhr). Um dabei eine besondere Atmosphäre zu schaffen, würden wir gern eine Gruppe von 6-8 Schauspielern/Statisten engagieren, die in Kostümen aus den 50er Jahre auftreten (diese müssten ausgeliehen werden, wir haben leider keinen Kostümfundus). Sie sollen über den Platz spazieren, die Veranstaltung mit Applaus und passenden Ausrufen („Hast du gehört, hier fährt heute eine S-Bahn. Ist das nicht faszinierend.“) begleiten, dabei können sie auch direkt auf die Passanten zugehen. Unter den Schauspielern sollte auch ein Schaffner sein, der die Zuschauer zur Zugtaufe auf den Bahnsteig führt und danach auf den Platz zurückbegleitet. Auch bei der Zugtaufe stelle ich mir vor, dass die Schauspieler das Geschehen begleiten (z.B. Winken mit großen weißen Taschentüchern, wenn der Zug abfährt).
Insgesamt habe ich ein Budget von etwa 400€ zur Verfügung. Fällt Ihnen jemand ein, der diese Aufgabe zum genannten Preis übernehmen könnte?
Ich bedanke mich schon einmal für Ihre Bemühungen.

Mit freundlichen Grüßen
Der Bürgermeister“

Die Diskussion führt über Anekdoten zu ehemaligen Freundinnen des Autors. Er tappt in die biografische Falle, aber davon gibt’s sehr viele und sie sind weich gepolstert. Ein Gast hat ein Album dabei mit alten Geldscheinen und Münzen. Es geht herum. Wir landen bei Partizipation und sehen das Video der Produktion „DorfOrgien“ (2012) von artscenico. Ankündigen und Verabredungen runden den frühen Abend ab. Nächstes Mal geht’s los mit „Action! Premieren“. Draußen stehen ein paar Jugendliche, die fragen, ob man hier ein „bisken Eier schaukeln“ könne.

Das Pflaster ist noch kalt, bald kommt der Frühling.

Das Vorhaben

Es könnte ein Drehbuch entstehen, ein Hörspiel oder gar Theaterszenen. Dazu lädt der Autor, Regisseur und Schauspieler Rolf Dennemann sonntäglich um 18 Uhr die Bewohner um den Dortmunder Borsigplatz ins „Ladenlokal 103“, in die Oesterholzstraße 103 ein. „Sprechstunden“ nennt Rolf Dennemann dieses Format, welches im Rahmen des Kunstprojektes „Public Residence: Die Chance“ stattfindet. Ein Raum wird geschaffen, der ein Bürgertreff ist, aber andere Wege geht. Austausch steht hier an erster Stelle: das Erzählen, Zuhören und Präsentieren. Die Kunst spielt dabei eine große, wenn auch unaufdringliche Rolle. So sollen Geschichten nah an der Lebensrealität der Bewohner und Besucher – wird Alltägliches – in Kunst verwandelt werden. Die Texte, die dabei entstehen, nennt er „Borsig-Blinks“.

Foto: Jullian Sankari

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