„Wenn wir könnten, was würdest du tun?“ – Vom Auftakt des Kooperationsprojektes „ich.würde“ mit dem Beethovenfest Bonn

am 11. Juni 2024 | in Allgemein | von | mit 0 Kommentaren

Was wünschst du dir? Was würdest du tun, wenn du gesellschaftlich dazu befähigt wärst und es verändern könntest? Und wie klingt die Zukunft? In Kooperation mit der Musikvermittlung des Beethovenfest Bonn arbeitet die Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft anlässlich des 75. Jubiläums des Grundgesetzes gemeinsam mit Bonner BürgerInnen und KünstlerInnen an einer Komposition der Werte, Träume und Wünsche. An verschiedenen Aktionstagen sind dafür das Beethovenfest Bonn und die Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft mobil in Bonn unterwegs und sammeln Stimmen:  Über verschiedene Wege werden an diesen Tagen Menschen in Bonn zu ihren kleinen wie großen Träumen und Veränderungswünschen für sich selbst und für unsere Gesellschaft befragt. Aus den Antworten in Wort, Bild und Tonaufnahmen entwickelt die Musikerin Miriam Berger eine mehrstimmige Komposition, welche an zwei Pop-Up-Konzerten im öffentlichen Raum auf besonderen Bühnen im Rahmen des Beethovenfest Bonn zum Klingen gebracht wird. Der erste Aktionstag zum Mitmachen fand am 22.04.2024 in der Brüdergasse vor dem Haus der Vielfalt MIGRApolis Bonn statt. Der Student Jerôme Klebs, der derzeit Philosophy, Arts and Social Entrepreneurship studiert, beschreibt die Stimmung vor Ort an diesem Tag. 

 

Links das „bee.mobil“ des Beethovenfest Bonn. Rechts die Ape der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft. Foto: Ruth Gilberger.

Vorbeikommende stempelten Antworten zur Frage „Wenn wir könnten, was würdest du tun?“ auf das Banner, das am Aktionstag vor den Räumlichkeiten von Migrapolis aufgebaut war. Foto: Theresa Herzog.

 

 

 

 

 

 

Die Auftaktveranstaltung zu dem partizipativen Projekt fand am Montag den 22.04.2024 im Haus der Vielfalt MIGRApolis unweit der Bonner Oper statt. Sonnenstrahlen lockten auf die Straßen und Vögel sangen verführerische Lieder des Frühjahrs. Ab 14 Uhr hieß man willkommen und neben Getränken und Verpflegung kam man ins Gespräch über Demokratie, das Grundgesetz und die Bedeutung menschlicher Würde. Es zeigte sich vor allem eins: So groß und komplex die Fragen doch sind, so einfach und intuitiv können die Antworten sein! Demokratie lebt von Beteiligung. Es gilt nicht nur über Dinge zu sprechen, sondern auch miteinander zu sprechen um gemeinsam Zukunft und Gesellschaft zu gestalten. Der partizipative Anspruch des Kunstprojekts versucht eben jene demokratische Haltung aufzugreifen und kreativ lebendig zu machen.

Vor Ort gab es entsprechend verschiedene Stationen über welche man Zugänge zu dem Thema finden konnte. Den Einstieg machte eine ‚Druck-Station‘ an der blauen Ape der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft, bei welcher man mit kleinen und großen Buchstaben-Stempeln ein Banner bedrucken konnte, auf dessen Kopf der Titel und die Frage der Veranstaltung >>ich.würde…<< zu lesen war. Die Besucher:innen druckten einzelne Wörter oder auch kleine Sätze. Nach kurzer Zeit sammelte sich so einiges an und zu lesen waren Worte wie: „Augenhöhe“, „Wertschätzung“, „lauschen“ oder auch Satzvollendungen wie „bei mir starten“.

 

Auf der Suche nach Antworten. Foto: Theresa Herzog.

Aus den gesammelten Antworten entsteht eine Komposition, die im Rahmen des Beethovenfest Bonn aufgeführt wird. Foto: Ruth Gilberger.

 

Links neben der Druckstation stand das Elektroauto „bee.mobil“ des Beethovenfests, bei welchem man Selfie-Fotos machen oder sich auf ein Interview zum Thema Demokratie mit Audioaufnahme einlassen konnte. Während man die Fotos direkt ausgedruckt bekam und als Erinnerung mit nach Hause nehmen konnte, blieben die Audioaufnahmen der Interviews bei den Veranstalter:innen. Später im Verlauf des Projektes soll dann aus den aufgenommenen Stimmen ein Musikstück kreiert werden, welches am 07.09. und am 03.10. zur Aufführung gebracht wird. Ziel ist der Versuch einer musikalischen Bestandsaufnahme nach 75 Jahren Grundgesetz. Zusammen mit Bonner Chören wird die Musikerin Miriam Berger verschiedene Stimmen der Menschen und somit auch „Stimmen der Demokratie“ zum Klingen bringen. Ihr Ansatz ist dabei experimentell, prozesshaft und ergebnisoffen. „Das Stück entwickelt sich mit den Beteiligten“ wie sie sagt und ergänzt, dass sie zur konkreten Form noch wenig erzählen kann, nur, dass es vermutlich mit Stimmen beginnt und sich in Musik hineinsteigern wird. Auch weitere Termine zur Teilnahme an den Interviews und Aktionen werden noch bekanntgegeben.

 

Spontane Gespräche mit Vorbeikommenden. Foto: Beethovenfest Bonn.

 

Leider beglückte der Sonnenschein nur den Beginn der Veranstaltung, weswegen sich der Fokus sodann auf die Innenräume des MIGRApolis zentrierte. Bei Kaffee, Saft, Fladenbrot und Hummus wurde reg diskutiert während es draußen mal tröpfelte und mal regnete. Das musikalische Rahmenprogramm lieferte das eigens dafür gegründete Ensemble aus Mitarbeitenden des Beethovenfests bei dem unter anderem auch der Intendant des Beethovenfest Bonn Steven Walter mitspielt. Das gemeinsame Musizieren im Streichquartett sei die demokratischste Form des Musizierens statuierten die Musiker:innen und assoziierten mit Ideen von Wünschen und Würde vor dem Publikum. Selbst ein scheinbarer Gleichklang von Gedanken und Werten zeigte seine Facetten. Im Anschluss spielte auch der Musiker Marco Mlynek noch einige Lieder. Trotz des wechselhaften Wetters war die Veranstaltung mit rund 30 Teilnehmer:innen gut besucht, wobei der Altersdurchschnitt recht hoch lag. Positiv fiel die Beteiligung von Personen unterschiedlichster Herkunft auf, was eine interkulturelle Reflexion von Demokratie und Würdeverständnis ermöglichte.

 

Das für den Anlass von „ich.würde…“ spontan gegründete Ensemble des Beethovenfest Bonn spielt an diesem Tag während des Erzählcafés im Migrapolis. Foto: Theresa Herzog.

 

Die StreicherInnen des Beethovenfest Bonn zusammen mit Saman Haddad von Migrapolis. Foto: Beethovenfest Bonn.

Eine Besucherin des Erzählcafés backt für den Tag extra einen Geburtstagskuchen „75 Jahre Grundgesetz“, der gemeinsam gegessen wird. Foto: Linnet Oster.

 

Stimmen der Veranstaltung:

75 Jahre Grundgesetz – Was gibt es da zum Thema Würde zu sagen?

  • Da ist noch Luft nach oben. Noch immer muss man daran erinnern, dass auch Frauen Menschen sind. Zum Beispiel beim Thema Abtreibung – wie kann das sein, dass das immer noch zur Debatte steht. (Babara)

  • Würde – da geht es am Ende um Miteinander. Genau wie bei Demokratie. Man muss Kompromisse finden, statt nur an sich zu denken. Und Demokratie schützt die Würde. Wollen wir die Würde schützen müssen wir die Demokratie schützen. (Anonym)

  • Würde ist mehr als ich – es ist die Frage nach dem Wir! (Anonym)

  • Bei Würde denke ich erstmal an eins: Sie ist unantastbar. Sie ist abstrakt und gar nicht einfach zu greifen. Daher braucht es Beteiligung und Austausch. (Miriam)

  • Die Würde muss grundlegende Struktur von Staatssystemen sein. Es ist wichtig, dass die Würde im Grundgesetz steht. Es geht um Chancengleichheit und die muss nicht nur zwischenmenschlich, sondern auch systemisch garantiert sein. (Sergey)

  • Würde kann man nicht verlangen, denn man hat sie schon. Aber man kann sie anerkennen bei sich und allen anderen. (Anonym)

Das Ergebnis des partizipartiven Kunstprojekts wird zweimal aufgeführt:

Am 7.9. Münsterplatz Eröffnungsfest „Bühne frei für Beethoven“

Am 3.10. Platz der Vereinten Nationen „Musikfest der Demokratie“

 

Aufräumen am Abend des 1. Aktionstages. Mindestens zwei weitere Aktionstage werden im Anschluss noch in Bonn und Umgebung durchgeführt. Foto: Ruth Gilberger.

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