Vorbereitung in der Impro-Camp-Küche Foto: Sandra Jasper

Ma(h)l kochen

am 14. November 2018 | in Diskurse, Summercamp | von | mit 0 Kommentaren

Die Suche nach der Bedeutung der Kreativität beim Kochen

Summercamp 2018: „Landschaffen/ Land schaffen – Kreativität und Schöpferisches Arbeiten zwischen Künstlerexistenz und Geschäftsmodell“

Beim Summercamp 2018 bekam ich die Gelegenheit meine Leidenschaft, das Kochen, in einem neuen Rahmen zu erproben. Drei Tage lang versorgte ich zusammen mit meiner Freundin Coro Zimmermann, einem grandiosen Küchenteam und viel Support der Teilnehmenden die rund 30 Camper_innen. Zum einen ging es hierbei um das gemeinsame Zubereiten der Speisen aus vorwiegend regionalen Produkten. Die eigene Verpflegung zuzubereiten und mit dem zu Kochen, was vor Ort wächst (anstatt ein beliebiges Catering zu bestellen), stellt für mich einen konsequenten Akt im Sinne des Camps dar. Verbunden wurde der kreativen Schaffensprozess des Kochens mit dem Angebot über Themen, Fragen oder Projekte ins Gespräch zu kommen und die besondere Atmosphäre der Küche für den Austausch zu nutzen.

In einem Vorbereitungstreffen zum Camp fragte ich, wie der Begriff „Kreativität“ aus dem Titel im Summercamp verortet und was genau damit gemeint sei. Einige Wortbeiträge später forderte Ruth Gilberger beinah polemisch: „Einfach mal machen!“ Mir war das nicht genug, worauf mich Ruth Gilberger aufforderte mich selbst auf die Suche nach der Antwort zu machen. Ich war etwas verdrossen und fühlte mich gleichzeitig ermutigt der Aufforderung nachzugehen.

Literatur zum Thema Nachhaltigkeit und Food
Foto: Sandra Jasper

Vorbereitung: Mit dem arbeiten, was wächst

Das diesjährige Summercamp war mit dem Projekt „Land Schaffen“ der Montag Stiftung Kunst und Gesellschaft inhaltliche und räumlich verbunden. Der Titel und die Tatsache, dass die Teilnehmenden im Park der Tagesklinik Rheydt mit sieben Tonnen Ton und somit mit dem Grundelement Erde auf dem Boden arbeiten, ließ sofort die Assoziation zur „Land-wirt-schaft“ entstehen.
Was wird vor Ort landwirtschaftlich hergestellt? Was wächst in Mönchengladbach, was wir essen können? Welchen Bezug können wir zu den Lebensmitteln, die wir essen, herstellen?

Regionaler Bezug

So war es eine konzeptionelle Entscheidung, das Gemüse beim Biohof Lenßen zu organisierten. Der Kohl, die Kartoffeln und Kürbisse waren auf den Feldern am Stadtrand von Mönchengladbach gewachsen und wir lernten beim Einkauf den Ort kennen, wo die Lebensmittel herkamen. Doch hier konnten wir nicht alle  Zutaten kaufen, die wir brauchten. Wie konnte eine weitere Beziehung zu dem Essen geknüpft werden? In der Altstadt von Mönchengladbach gibt es seit ein paar Monaten ein Ladenlokal, in dem unverpackte, biologische Lebensmittel und Reinigungsmittel  zum Selber-Abfüllen verkauft werden. Die Menschen hinter Tante LeMi betreiben den Laden ehrenamtlich und wollen mittelfristig auch mit Bauerhöfen in der Umgebung kooperieren, um das Angebot mitbestimmen zu können und Handelswege zu umgehen. Sie wollen also ebenfalls „Land schaffen“ und mitbestimmen, was regional wächst. Bei Tante LeMi kauften wir Kiloweise Reis, Kichererbsen, Linsen, Hirse, Mandeln abgefüllt in Jutesäcken, Gewürze und 5 Liter Olivenöl.

Außerdem lernten wir Horst kennen, der Lebensmittel rettet: Für das Summercamp brachte er uns eine riesige Kiste Joghurt, Nudeln, Brot und Brötchen, Käse und Algensalat vorbei. Alles kam vom Bio-Supermarkt und war in bestem Zustand, nur ein paar Tage über dem Mindesthaltbarkeitsdatum. Es machte ihm sichtlich Freude, uns die Lebensmittel zu überreichen.

Ein paar Specials kauften wir noch um die Ecke beim Türkischen und Asiatischen Supermarkt sowie der Drogerie. Wir waren bestens ausgestattet mit allem, was wir für die kommenden drei Tage brauchten. Von vielen der Lebensmittel wussten wir nun, wo sie herkamen und hatten durch die Begegnungen bei der Beschaffung einen Bezug zu dem, was nun auf den Tisch kommen würde.

Vorbereitung in der Impro-Camp-Küche
Foto: Sandra Jasper

Begegnung, Beziehung und Austausch
Coro Zimmermann und ich teilen die Begeisterung für gute, selbstgekochte Speisen, Experimente am Herd und die Küche als Ort des Austausches und des Verweilens. In unserer Freundschaft nimmt das gemeinsame Kochen einen festen Platz ein. Wenn wir uns in Köln oder Hamburg besuchen, verbringen wir viel Zeit in unseren Küchen, um die Energie, den Schutz und die Wärme dieses Ortes für intensive Auseinandersetzungen mit akuten Fragen und dem Genuss von Speisen und Getränken zu verbinden. Ostern 2018 nutzten wir zum ersten mal die Küchenwand, um bei Wein und Gemüsecurry private und berufliche Perspektiven, Wünsche und Veränderungsprozesse genauer anzusehen, zu visualisieren und zu strukturieren: das  Format des „Küchen-Coachings“ überzeugte uns. Diese Erfahrung wollten wir beim Summercamp teilen und eine Übertragbarkeit in diesen Kontext testen – wir wollten das Experiment in einer größeren Runde wagen. Und wir wollten auch hier mir dem arbeiten, was da ist.
Coro Zimmermann hat eine Grundausbildung in Systemischer Organisationsentwicklung. Sie bringt den Blick von außen mit, kann sehr gut  treffende oder auch produktiv-irritierende Fragen stellen.
Meine Rolle sah ich darin, den Rahmen zu schaffen, den Überblick zu behalten und die Küche als Raum zur Verfügung zu stellen, damit Menschen zusammenkommen und gemeinsam etwas Schaffen: eine köstliche und nahrhafte Mahlzeit zubereiten.

Synergie im Rückblick
Für mich war es bereits das vierte Summercamp, an dem ich teilnehmen durfte. Das formulierte Ziel dieses Formats ist der Austausch und das Schaffen von Synergien. Bereits beim ersten Summercamp 2015 auf dem Gelände der Montag Stiftungen in Bonn lud ich zum gemeinsamen Gemüseschnibbeln ein, um darüber ein Gefühl der Gemeinschaft und des gemeinsamen Schaffens zu entwickeln.

Sandra Jasper und Corinna Zimmermann mit Teilnehmenden in der Impro-Camp-Küche
Foto: MKG

Beim Summercamp 2017, bei dem Stefanie Klingemann als Künstlerin eingeladen war und dort in der Rolle einer Berufsberaterin auftrat, erzählte ich von der Idee, in fremden Küchen netter Leuten mit den vorhandenen Zutaten zu kochen. Sie lud mich direkt in ihre Küche ein. In diesem Jahr hat Stefanie Klingemann das Summercamp als Projektmanagerin mitkonzipiert und mich eingeladen einen Beitrag im Bereich Kochen & Essen beizusteuern.

Nun statten wir die improvisierte Küche im alten Museum, dem Vorläufer des Abteiberg Museums, mit zwei mobilen Induktionsplatten, zwei Töpfe und zwei Pfannen aus dem Vereinslokal des Waldhaus e.V. aus und dann kann es endlich losgehen.

Tag 1 – Freitag: Essen und ums Feuer sitzen verbinden

Wir begrüßen die Teilnehmenden gegen 12 Uhr mit einem warmen Mittagessen und teilen das Essen an einer Theke in der Küche aus. So können wir mit allen einmal kurz in Kontakt treten und „Hallo“ sagen. Wir essen die Mahlzeit zusammen am großen Tisch und lernen uns dabei erst einmal kennen.

Zum Mittagsessen gibt es Chilli con Räuchertofu, Paprika, Zucchini, Karotten, Zwiebeln, dazu Qinoa, Rotes Mojo zum Nachschärfen, als Toppings  Sonnenblumenkerne und Koriander

Nach dem Ankommen gibt es eine Führung durch die beiden alten, wunderschönen Häuser mit ihren knarrenden Holzböden, den großen offenen Treppenhäusern (im alten Stadt-Museum deutet eine zurückgelassene raumgreifende Arbeit von Daniel Buren auf die Geschichte des Hauses hin) und den schönen Fenster-Glasarbeiten. Als die Gruppe am Schluss in der Küche zusammenkommt, formulieren wir noch einmal unser Angebot für alle: Die weiteren Mahlzeiten sollen gemeinsam gekocht werden und dabei möchten wir ins Gespräch kommen. Wir möchten die Küche als Refugium und als Ort des Zusammenkommens, der Besinnung und des Austausches nutzen.

Coro Zimmermann schreibt später in großen Buchstaben „Utopien“ und überträgt ein Model mit Tape an die Wand:  Die Begriffe „Können – Wollen – Sollen“  sind in Form eines Dreiecks angeordnet.
Wir nehmen uns den Nachmittag Zeit (während die anderen im Klinikpark mit Ton arbeiten), um zu überlegen, wie wir das  Gemüse in der Küche nun in Gerichte verwandeln wollen und welche Schritte dafür notwendig sind.

Bei unserer ersten Session sind wir direkt eine schöne Runde. Wir schneiden Aubergine und Kohl, erzählen von uns, hacken Petersilie, Fragen nach, schmecken die Salate mit Gewürzen und Kräutern ab.

Abends machen wir Kichererbsen-geschmorrte Auberginen-Tomaten Salat mit Koriander-Minze-Tahin-Zitronen-Cumin-Dressing. Außerdem: Rotkohl feingeschnitten in Apfelessig, Agavendicksaft und Salz eingelegt, mit Apfel, Rosinen, Petersilie und Mandel verfeinert, dazu gibt es Mangold mit Kokosmilch und Datteln geschmort.

Sandra Jasper und Corinna Zimmermann mit Teilnehmenden in der Impro-Camp-Küche
Foto: MKG

Ruth Gilberger steht – wie in jedem Jahr – draußen am Grill, für sie gehört auch ein Stück Fleisch auf den Teller. Unsere gekochten Speisen bestehen aus Überzeugung aus rein pflanzlichen Zutaten, was wir jedoch im Camp (und aus Platzgründen auch an dieser Stelle) nicht expliziert zum Thema machen. Niemand scheint etwas zu vermissen. Wir arrangieren alles als großes Buffet.

Abends sitzen wir zum Essen bei Kerzenlicht draußen an langen Holztischen im Garten zusammen. Die Atmosphäre ist sehr ausgelassen, entspannt und offen. Es gibt viel zu erzählen. Es ist schön, die bekannten und neuen Gesichter zu sehen und zu beobachten, dass alle satt und zufrieden aussehen. Später brennt ein kleines Feuer und um das Feuer herum werden munter Ideen und Gedanken ausgetauscht. Mir kommt eine Theorie in den Kopf, zu der mich die Frage nach der Kreativität und ihr Zusammenhang mit dem Thema Kochen führte:

Die Evolution in der Küche
Kochen ist – eng verbunden mit der Beherrschung des Feuers – eine wichtige Kulturtechnik, die in der Evolution des Menschen einen bedeutenden Einfluss hatte. Diese kulturellen Entwicklungen ereigneten sich nicht spontan durch eine einzelne Person sondern entstanden in einen soziokulturellen Kontext und benötigten einer sozialen Interaktion und gesellschaftlichen Teilhabe. (1) Die Kochstelle spielt eine Schlüsselrolle in der menschlichen Evolution: Erst die Nutzung des Feuers und die Entwicklung der Küchentechnik ermöglichten eine hohe Energieausbeute aus der Nahrung bei geringer Verdauungsarbeit, die Ressourcen für die schnelle Vergrößerung des menschlichen Gehirns freimachte. (2) Der Homo sapiens verdankt also die evolutionäre Entwicklung seines Gehirns der Küche.  Erst durch die Verarbeitung von Lebensmitteln wurde also der Grundstein für gestalterische Tätigkeiten und das Erfassen komplexer Zusammenhänge gelegt. Außerdem: Im Gefolge der Erfindung des Kochens veränderte sich die menschliche Anatomie, vor allem das Gebiss: Es verkleinerte sich stark, was auch der Entwicklung des Sprechapparats und damit der Sprache förderlich war. (3)

An diesem Abend reden wir noch lange und ich bin sehr froh, dass unsere Vorfahren so kreativ waren und das Feuer sowie das Kochen erfunden haben. Das Buffet ist bis auf den letzten Krümel leergefuttert.

2. Tag – Samstag: Kreativität geht durch den Magen

Bereits jetzt habe ich das Gefühl, dass das Konzept aufgeht, Kochen und Essen als verbindendes Element zu nutzen. Es ist eine so simple, uralte und wirkungsvolle Kulturtechnik. Wir alle essen.  Wie essen wir zusammen? Was essen wir gerne?

Mittags kommt das Menu del Dia auf den Tisch: Linsen-Kokos-Curry mit Spitzkohl, Karotten, Zwiebeln, Tomaten, Ingwer, Kadamon und Reisbeilage, dazu gedünsteter Spitzkohl-Sesam-Schwarzkümmel-Salat und in Ingwer-Essig eingelegte bunte Möhren und Gurken mit Sesamtopping.

Auf der Suche nach Bedeutung des Begriffs der „Kreativität“ für das Summercamp 2018 beschäftigte ich mich mit der Bedeutung, dem Zusammenhang von Kreativität und Kochen und nahm mir die imposante Studie „Die Erfindung der Kreativität“ von Andreas Reckwitz vor. Immer wieder denke ich an dem Wochenende an meine Recherche, doch zwischen dem Möhren-schälen und Kohl-hacken komme ich kaum dazu meine Notizen aus der Tasche zu holen.

Aktiv und passiv kreativ sein
Der Begriff Kreativität geht auf das lateinische Wort creare zurück, was so viel bedeutet wie „etwas neu schöpfen, etwas erfinden, etwas erzeugen, herstellen“, aber auch die Nebenbedeutung von „auswählen“ hat. Der Begriff enthält als weitere Wurzel das lateinische crescere, das „geschehen und wachsen“ bedeutet. (4)

SUMMERCAMP 2018

SUMMERCAMP 2018

Die Ambivalenz des Begriffs „Kreativität“ zwischen aktivem Tun und passivem Geschehen-Lassen lässt sich auch auf den Anbau und die Wachstumsprozesse von Pflanzen übertragen. Mithilfe von Wasser und Sonnenlicht entstehen kleine Wunderwerke der Natur, die für uns Nahrung sind. Beispielsweise ein Apfel: in handlicher Größe ist die Frucht ausgestattet mit einem Fortpflanzungsapperat (Kerne), einer Schutzhülle (Schale) und vielen wertvollen Inhaltsstoffen (Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelemente, Enzymen, etc.). Die Erde schenkt uns vielfältige Kerne, Samen, Sprossen, Blätter, Wurzeln und Früchte aus denen wir unzählige Speisen herstellen können. Welche Vielfalt an tollen Erfindungen, die Natur doch hervorgebracht hat!
In meinem Verständnis von Kochen (was sich von Produkte erwärmen abgrenzt)  ist der Prozess des Herstellens einer köstlichen Speise aus unterschiedlichen schmackhaften, frischen Zutaten mit vielen verschiedenen Geschmackskomponenten immer ein kreativer, schöpferischer Vorgang.

Währende wir das Abendessen zubereiten wird im Garten eine überdimensionale Origami-Skulptur gefaltet und nebenan entsteht ein Camp-Zine, ein keines Heft. Gemüse wandert auf den Kopierer. Costanza Rossi zeichnet einzelne Elemente der Küchenprozesse. Svenja Studer stellt aus dem Rotkohlsalat des Vorabends eine Pflanzenfarbe her und experimentiert damit. Abends gibt es ein buntes Buffet.

Samstag Abend grillen wir noch mal, weil es am Vortag so schön war. Heute gibt`s gedünsteten Blumenkohl- Möhren- Salat mit geröstetem Sesam, Schwarzer Linsen-Radieschen-Gurken- Apfelsalat mit Petersilie, Pinkes Hummus mit Rote Beete, Rosmarin-Kartoffel und Cumin-Kürbis aus dem Ofen.

Reckwitz arbeitet in seinem Werk die Entwicklung des sogenannten Kreativitätsdispositivs heraus. Diesem liegt eine „übergreifende Orientierung an einem ästhetischen Regime des Neuen“ (5)zugrunde, die spätestens seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts in viele gesellschaftliche Bereiche (Ökonomie, Psychologie, Medien, Stadtentwicklung) vordringt. Zum Schluss des Buches kommt er zu der These, bei der Suche nach „alternativen Versionen ästhetischer und kreativer Praktiken“ gehe es „um Prozesse der Kreativität, die nicht auf ein Publikum ausgerichtet sind und sich damit jenseits von Aufmerksamkeitsmarkt und Steigerung bewegen: um profane Kreativität.“ Hierzu gehören für ihn unter anderem das Experiment, die Improvisation und die Idiosynkrasie, also die Gesamtheit der persönlichen Eigenheiten. Außerdem sieht Reckwitz in der Ästhetik der Wiederholung eine alternative Praktik, die sich der Logik einer ständigen Forderung nach Neuem entzieht. (6)

Genau das passiert doch beim Kochen: ein alltäglicher Gestaltungsprozess, sich wiederholende Bewegungen und Abläufe, das Experimentieren mit den Zutaten, Kompositionen und Geschmacksnuancen und das Improvisieren, weil jedes Gericht  immer wieder etwas anderes ist. Persönliche Vorlieben, Traditionen, kulturelle, religiöse und familiäre Aspekte, gesundheitliche Themen, all das fließt in den Kochprozess mit ein. Kreativität ist kontextgebunden. Es geht darum, spezifische Lösungen zu finden.

Und am späten Abend gibt es noch einen süßen Gruß aus der Küche: Schoko-Mouse aus Kokosmilch, Datteln und Kakaopulver mit einer Prise Salz, garniert mit einer Scheibe Goldfeige und einem Blatt Basilikum.

Bei einem Gespräch mit Ludgera Hertel am Feuer wird mir auf einmal ganz klar, dass das Summercamp von der Begegnung und der aktiven Teilhabe der Anwesenden lebt. Es geht darum, sich auf Experimente einzulassen, etwas auszuprobieren, Versuche in einem geschützten Rahmen zu machen. Es geht nicht darum, sich mit wissenschaftlichen Texten auseinanderzusetzen und darüber nachzudenken, sondern etwas zu tun, sich zu trauen, es einfach praktisch umzusetzen – „Einfach mal machen!“
Die Setzung des Begriffs „Kreativität“ war nicht dafür da, sich theoretisch damit zu beschäftigen. Der Begriff soll vielleicht eher eine Offenheit und Freiheit für die Gestaltung der Beiträge herbeiführen. Schärfer formuliert: Vielleicht dient der Begriff hier als bloße Worthülse, um einen Rahmen zu schaffen, in dem vieles möglich ist. – „Einfach mal machen!“

Mahlzeit
Foto: Sandra Jasper

3. Tag – Sonntag: Kostbare Verbindungen

Svenja Studer produziert morgens direkt nach dem Frühstück 50 Unikate mit der Rotkohlsalat-Farbe für das kleine Fanzine auf dem Rasen im Garten. Es ist etwas unruhig, weil vieles vor dem Mittagessen noch fertig werden soll. Die Sonne scheint, es ist warm und so nehmen wir unser Gemüse mit den Garten, schneiden dort Weißkohl, Gurken und Zucchini und lauschen einer Diskussion.
Hanna Schott hat die Küche übernommen und macht aus dem geretteten Brot und Eiern Arme Ritter als Zwischendurch-Snack.

Mittags kochen wir einen großen Topf Hirse, dazu gibt es Weißkohl-Porree in Kokosmilch, Ratatouille aus Zucchini, Auberginen, Tomaten mit Rotwein, Tomaten-Gurken-Salat und Mandeln als Topping

Für den Nachtisch hat Michel Gockel einen Apple-Crumbel zubereitet  – mit den Äpfeln, die Patrick Rieve aus der Eifel von der Saft-Tour mitgebracht hat. Die Dinge ergeben sich! Jetzt fühlt es sich so an, als wären wir eingespielt, mit diesen Team an diesem Ort, hier und jetzt.

Kopf, Herz und Hand
In der Abschlussrunde sehe ich viele strahlende Gesichter. Jede_r konnte sich an diesem Wochenende einbringen. Viele gemeinsame Interessen, geteilte Erfahrungen und Ideen haben die drei Tage zu einer intensiven, produktiven und verbindenden Zeit gemacht.

Die gefaltete Skulptur hat ihren Platz im Park gefunden und das Zine liegt in kleiner Auflage druckfrisch bereit. Die bunten Möhren vom Biohof Lenßen haben es auf das Titelblatt geschafft. In der Mitte des Hefts guckt ein gelber kleiner Zettel in der Form eines Geldscheins hervor: „KreAKTIVität“ steht darauf. Auf der Rückseite ist eine schwarz-weiß Kopie, auf der eine Hand zu sehen ist, die den Boden (vielleicht Sand, Erde oder Ton?)  berührt. Die Erfahrung des Sommercamps „Landschaffen“ haben mich geerdet: Vom Kopf in den Körper. Vom Geist in die Hand. Denken – Fühlen – Handeln. Erden.

Ich freue ich sehr über die vielen Inspirationen und Gedanken, die ich durch das Summercamp sammeln konnte, über die schönen Begegnungen und Gespräche und auf das Wiedersehen beim baldige Nachtreffen.

Da liegt etwas in der Luft, vielleicht ein Duft von kulinarischen Experimenten!?


  1. https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturtechnik
  2. Jutta Muth ; U. Pollmer ; Europäisches Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften e.V., 80339 München, Kiliansplatz 2.
  3. https://de.wikipedia.org/wiki/Kochen
  4. https://de.wikipedia.org/wiki/Kreativit%C3%A4t
  5. Reckwitz, Andreas ( 2012): Die Erfindung der Kreativität., S. 323, Und weiter: „Immer geht es um die Produktion und Rezeption von Ereignissen, denen eine positiv empfundene sinnlich-affektive Eigenqualität zukommt, sowie um eine Produktion und Rezeption dieser Ereignisse unter dem Aspekt, dass sie überraschend, abweichend von der Norm und originelle sind.“
  6. Reckwitz, Andreas ( 2012): Die Erfindung der Kreativität., S. 357 ff

 

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